Jede Berufung hat ein Warum.
Ich bin Anemone Ahmad Nejad Paleko, aufgewachsen zwischen zwei Kulturen, zwei Sprachen und zwei völlig verschiedenen Vorstellungen davon, was Geld bedeutet. Was ich daraus gemacht habe, hat nicht nur mein Leben verändert, sondern ist meine Berufung geworden.
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1. Zwischen zwei Welten
Ich bin Tochter iranischer Eltern. Zwischen zwei Kulturen, zwei Sprachen, zwei Welten aufgewachsen. Der Deutschen und der Iranischen. In der einen wurde viel über Geld gesprochen - weil nicht viel davon da war. In der anderen gar nicht, weil es sich nicht gehörte. Und auch so hat sich vieles unterschieden.
Ich war das Kind, das beide Welten kannte. Und in beiden dasselbe gelernt hat: Geld bedeutet Schmerz oder was Negatives. Geld ist ein Tabu. Und davon gibt es nie genug. Was niemand mir sagte: Das Schweigen darüber kostet dich mehr als du denkst.
Und trotzdem haben mich meine Eltern gefördert: Ich fing an mit fünf Jahren Violine zu spielen, in diversen Orchestern zu musizieren und von Bach, Beethoven, Mozart zu Paganini, Tschaikovsky usw. die Welt der Klassik lieben zu lernen.
Ich war sportlich in der Grundschule, habe Lesen geliebt (bis heute eine große Leidenschaft), war immer in der bayerischen Natur und habe mit unserer deutschen Nachbarschaft gespielt. Ich habe es geliebt draußen zu sein, typisch für uns Millenials :).
Ich besuchte das Gymnasium, fing schon früh an nebenbei zu arbeiten, kleine Minijobs zu haben, denn finanziell war nicht mehr drin. Ich liebte meine Minijobs, aber war ausgelaugt.
Denn in einem kleinen bayerischen Dorf gibt es nicht nur Schönes; oft sah ich mich Mikro-Rassismen ausgesetzt, egal ob in der Schule oder unterwegs.
Der bittere Nachgeschmack darüber bleibt, dass man damals noch nicht mal wusste, dass das Rassismus war. Weil ich zu jung war zu verstehen, dass mein Name, meine Identität und meine Herkunft doch nicht so selbstverständlich waren wie ich dachte, und ich machen konnte was ich wollte, um trotzdem nie genug zu sein.
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2. Politik ist persönlich
Meine Familie hatte klare Vorstellungen: Doktor, Ingenieurin, Anwältin. Ich habe Politikwissenschaften studiert. Nicht aus Trotz. Was im Iran entschieden wurde, spürten wir hier. Ich sah meine Eltern trauern. Meine Familie im Iran überleben.
Politik war also immer “persönlich”. Ich musste mehr über die Welt erfahren, durch Politik. Ich blieb bei meiner Entscheidung - auch als die Menschen die ich liebte, meinen Weg nicht verstanden. Ich liebte das Studium (aber definitiv nicht alle Fächer :)), auch wenn es herausfordernd war nebenbei viel zu arbeiten.
Durch das Studium habe ich gearbeitet, Projekte nebenbei gemacht, Wege gesucht wie ich noch mehr Geld verdienen konnte. Meine Diplomarbeit über Zentralbanken geschrieben. Privat noch mehr über Finanzmärkte gelernt.
Und ich dachte mir : Wenn ich bald mehr Geld verdiene, bedeutet es, dann besser mit Geld klarkomme? Hab ich dann mehr Geld übrig am Ende des Monats? Es ist ja möglich, viel Geld zu verdienen, das machen ja andere auch. (Wie naiv es war so leicht zu denken, denn die strukturellen Herausforderungen dafür hatte ich noch nicht erkannt).
Mein Gedanke war: Ich musste “einfach” eine Karriere einschlagen, bei der ich meine Skills und Stärken einsetze, wo ich aber Spaß habe mit, und auch sehr gut verdiene. Wo gab es das nur und was war es?
Zu der Zeit hat mein Partner zu mir gefunden. Bis heute sprechen wir über Tabus um Geld und über unsere gemeinsamen, finanziellen Ziele. Ohne ihn wäre ich heute nicht hier, wo ich stehe.
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3. Wissen wird Business
Nach Praktika und Werkstudentenjobs landete ich dort, wo ich hinwollte: in einer internationalen Top-Tier Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Mein erster richtiger Job! Im Knowledge Management, in der sich die Welt nur um Wissen dreht.
Meine tiefste Liebe zu Wissen wurde in die Praxis gesetzt, ohne das ich speziell danach gesucht hatte. Ich fand die Stelle so interessant, das ich dachte: Jetzt oder nie. Davon habe ich noch nie gehört, aber die Stelle ist für mich gemacht!
Ohne “Vitamin B” habe ich es geschafft und ich hatte das wundervollste Team, das ich mir je zu Beginn meiner Karriere vorstellen konnte.
Nebenbei wurde ich in den Vorstand einer Frauenrechtsorganisation gewählt, habe eigene, und für Corporate, Podcasts gegründet, bin in DEI-Netzwerken aktiv gewesen und habe diese teilweise geleitet. Weil Stillstand keine Option war. Impact zu hinterlassen war mein Antrieb. Es war meine DNA.
Und dann, irgendwann, ein Smalltalk unter Kolleginnen & Kollegen. Über Aktien, Immobilien, Investments - als wäre es das Normalste der Welt. Für sie war es das. Für mich nicht.
Ich saß da und dachte: Hui, ich hab nur wenig Ahnung um was es hier geht. Ich will mitreden. Ich will verstehen.
Wenn ich zurückblicke sind das ca. 10 Jahre her. Ab da fing meine Wissensmission an: Podcasts, YouTubes, Artikel, Austausch mit anderen (damals gabs kein ChatGPT :)). Business, Leadership, Politik war immer Standard, Aktien, REITs, ETFs, Immobilien.
Mein Lebensinhalt neben meinen Projekten und der Arbeit war Wissen zu sammeln, für mich auszuprobieren, besser zu verstehen wer ich bin und wer ich sein wollte.
Je mehr ich wusste, desto mehr Klarheit erwarb ich für mich, was ich nicht sein wollte.
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4. Zeit zu gehen
Ich hatte noch nicht mal das Eigenkapital, aber suchte trotzdem Immobilien. Wir realisierten unsere Ziele und kauften eine Immobilie bevor wir dreißig Jahre alt wurden.
Bis dahin: Besichtigungen, Investment-Fehler, emotionale Aktien/Cryptoverkäufe… ich habe viele Fails gehabt, aber halt auch gerade weil ich so viel experimentiert habe.
2020 - Kulturell Inkorrekt. Meine erste Stimme und eigene Initiative. Über Rassismus, Diskriminierung, Business - und das Aufwachsen zwischen zwei Welten. Irgendwann fing ich an, in informellen Kreisen mit Frauen über Geld zu sprechen. In Netzwerken die sonst niemand für uns gebaut hatte.
Im regelmäßigen Austausch sagte eine Freundin: "Moni, ich verstehe Aktien zum ersten Mal. Wie kommst du auf solche Erklärungen?"
Dieser Moment hat mich nie mehr verlassen. Denn so dachte ich, und setzte es auch bei mir um. Sollte ich einfach mehr Gespräche über diese Themen suchen?
Ich hab dann gemerkt: Frauen hören mir zu und Geld betrifft uns alle. Das ist kein Männerthema. Mit meinem Hintergrund kann ich Frauen erreichen, die sich von niemandem sonst gehört fühlen. Denn auch ich hatte mich bis nie repräsentiert gefühlt.
2021 wechselte ich zu einer weiteren Top-Tier Unternehmensberatung als Knowledge Lead und leitete ein Team.
2022 gründete ich womenforfinance auf Instagram. Es hat mir gereicht, ich musste es zumindest versuchen dachte ich. Die Nachfragen wurden lauter. Die Meetings häufiger. Das Gefühl stärker. Frauen fragten mich nach Mitgliedschaften & Mentorings. Aber ich hatte mich noch nicht getraut zu starten. Ich wollte experimentieren.
2024 verließ ich die “Corporate World”.
Weil mein Gefühl mir sagte: du bist bereit. Dein Wissen sollte kein Privileg sein - sondern eine Einladung für jede Frau, die dasselbe will wie du: Freiheit.
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5. Wissen teilen heilt
In den letzten Jahren kamen in meiner Familie viele gesundheitliche Herausforderungen auf. Menschen, die ich liebte, die viel zu früh gegangen sind. Das sind Verluste, die sich stapelten, bevor du die vorherigen verarbeitet hast. Und doch dachte ich: ich werde meine Berufung nicht aufgeben. Ich mach es in meinem Tempo.
Es gab Tage an denen ich in Krankenhäusern und an meinem Laptop saß und dachte: wie kann ich weitermachen? Denn jetzt kann ich sagen: auch ich war in einem herausfordernden, gesundheitlich Zustand, den ich heute überwunden habe: meinen Burnout.
Ich habe gerade deswegen weitergemacht, weil ich wusste der Prozess dahin wird mich heilen.
Auf dem Weg zur Heilung habe ich wundervolle Frauen kennenlernen dürfen, mit ihnen gearbeitet und an ihnen wachsen können. Mich selbst mehr zu finden nach Jahren starken Burnout. Ich habe bis heute Tränen wenn ich daran denke, wenn diese Frauen wüssten, wie sehr sie mir Energie geschenkt haben!
Jedes Gespräch. Jeder Moment, bei dem ich lernte aus den Erfahrungen anderer Frauen, oder Mentorings/Workshops die ich von ihnen besuchte. Jeder Moment wo ich bei mir sah: sie versteht es. Sie traut sich. Sie entscheidet selbst. Gab mir Kraft weiterzumachen.
Das ist wofür ich brenne. Frauen das Licht aufzuzeigen, was sie in sich haben. Ihnen Hoffnung zuzusprechen, weil sie das Potenzial haben transgenerationale Traumata zu lösen. Die erste in allem zu sein: die erste, die ihr eigenes Business führt. Die erste, die investiert. Die erste, die Dinge komplett anders macht als ihre Familie.
womenforfinance ist die Geburt dessen, wofür ich stehe - denn heute führe ich ein Leben, das ich liebe (und jetzt geht es eine Etappe weiter :)).
Dafür bin mehr als dankbar und ich empfinde große Demut für meine heutigen Privilegien.
Ich kombiniere Finanzen mit meinem politischen, systemischen Wissen, was ich seit meinem Studium immer weiterentwickelt habe.
Denn was ich gelernt habe ist: wenn wir Geld, Politik & Systeme nicht zusammendenken investieren wir in alte Systeme, die uns nicht dienen. Wir geben uns mit Standard-ETFs zufrieden, obwohl es bessere Ansätze für unsere Realitäten gibt. Wir gehen Strategien veraltetet Strukturen nach, obwohl das nicht die geopolitische Realität widerspiegelt.
Dabei verdienen gerade wir Frauen einen ganzheitlichen Ansatz.